Projekt

Der Dichter Novalis schreibt gegen Ende des 18. Jahrhunderts: »Der Poet versteht die Natur besser, wie der wissenschaftliche Kopf.« Wie kann das sein? Gibt es heute noch einen anderen Zugang zur Natur als den über die naturwissenschaftlichen Methoden der Analyse, Zerlegung und Fragmentierung, der zu Erkenntnissen führt?
(Natur-)Wissenschaft und Kunst/Literatur sehen die Welt je verschieden. Beide haben mit Wissen und Erkenntnis zu tun. Doch während die Wissenschaft vornehmlich analytisch vorgeht, schaffen Kunst und Poesie einen eigenen Zugang zur Natur durch die Sprache. Dabei geht es nicht nur um die streng begrifflichen Leistungen der Sprache, sondern auch um ihre deutende Funktion und um ihr Vermögen zur Symbol-, Modell- und Konzeptbildung. Ein Verständnis von Wirklichkeit und Natur, welches poetisch durch Sprache vermittelt wird, ist anders als das analytische, es kann umfassender und vielleicht auch wesentlicher sein, weil es auch die bildhaft-mythographische Ebene erfasst, die sich der begrifflich-wissenschaftlichen Erfahrung entzieht.
Die Wissensdomäne versteht die naturwissenschaftlichen und ästhetisch-poetischen Denkweisen nicht als Gegensatz, sondern ist an deren Zusammenwirken interessiert. Sie lässt sich deshalb in das kulturwissenschaftliche Spektrum interdisziplinärer Forschungsansätze einordnen. Ziel ist es, das ausschließlich sprachlich verfasste Wissen über Natur und Kultur, das die Literatur bereithält, herauszuarbeiten und kritisch zu interpretieren.

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